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Wer wir sind und was wir wollen

hundertdreiundsiebzig.de – Geschwisterpaare gegen das Inzestverbot

320px-People_ShadowWer wir sind? Wir sind eine Zumutung. Wir betreiben Inzest. Wir sind das Ende der Moral, der Verfall der Sitten und der Untergang der Zivilisation. Wir leben in Beziehungen, die gesetzlich verboten sind und gesellschaftlich geächtet werden. Wir sind eine Zumutung, denn wir schämen uns deshalb nicht. Nein, wir haben nicht das geringste Schuldbewusstsein. Wir sind eine Zumutung, denn wir sind glücklich. Und wir wollen noch mehr: Wir wollen das Inzestverbot kippen und dem letzten Tabu die letzte Ehre erweisen. Da das geklärt ist, können wir ja zum gemütlichen Teil der Veranstaltung übergehen:

Hallo liebe Leser, herzlich Willkommen auf hundertdreiundsiebzig.de – der Internetseite der wahrscheinlich harmlosesten Gesetzesbrecher seit Erfindung des Tanzverbots an stillen Feiertagen und dem Erlass der Rasenmäherverordung. Auch wenn das große, böse Wort “Inzest” schlimmste Erwartungen weckt und sofort an sexuellen Missbrauch in der Familie, Pädophilie und besinnungslose Orgien im engsten Familienkreis denken lässt, geht es hier ausschließlich um einvernehmliche Liebesbeziehungen zwischen erwachsenen (Halb-)Geschwistern. Und damit das nicht untergeht: Es geht um Liebesbeziehungen, nicht allein um Sex.

Einvernehmlicher Geschwisterinzest – ist das überhaupt möglich?

Wie kann es dazu kommen? Hat man nicht als normaler Mensch eine natürliche Abneigung davor, sich in seinen Bruder oder seine Schwester zu verlieben und mit ihm oder ihr Sex zu haben? Ja, das ist der Regelfall, wenn man als Bruder und Schwester zusammen aufwächst. Der wissenschaftliche Begriff dafür lautet Westermarck-Effekt und er gilt derzeit als die plausibelste Erklärung für die kulturübergreifende Verbreitung des Inzesttabus. Gleichzeitig erklärt er auch, warum Geschwister, die nicht gemeinsam aufgewachsen sind, keine Inzestscheu voreinander entwickelt haben.

Eine noch viel weiter gehende Theorie wird in den USA diskutiert: GSA – Genetic Sexual Attraction. Laut dieser Theorie entwickeln getrennt voneinander aufgewachsene Geschwister nicht nur keine Inzestscheu voreinander; Nein, sie sind quasi darauf programmiert, sich ineinander zu verlieben. Die Argumente der GSA-Vertreter haben einiges für sich, aber wirklich wissenschaftlich fundiert ist diese Theorie noch nicht. Sie passt aber sehr gut zu unseren eigenen Erfahrungen. Das Gefühl einer tiefen Seelenverwandtschaft, einer ganz besonderen Beziehung, die über das hinaus geht, was man vorher in Beziehungen erfahren hat, wird von sehr vielen Geschwisterpaaren beschrieben.

Auch wenn unsere Beziehungen völlig harmlos sind und wir uns für Außenstehende nicht von anderen Paaren unterscheiden, ist uns bewusst, dass unser Anliegen trotzdem eine Zumutung ist. Wir hoffen mit dieser Internetseite die häufigsten Missverständnisse über einvernehmliche Inzestbeziehungen aus der Welt zu schaffen.

 

Was versteht der Gesetzgeber unter Inzest?

Welche sexuelle Handlungen fallen unter das Inzestverbot?

Viele Suchanfragen auf unserer Seite betreffen die Frage, was als Inzest gilt und was nicht. Daher hier nochmal die gesetzliche Definition:

§ 173 Beischlaf zwischen Verwandten
(1) Wer mit einem leiblichen Abkömmling den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Wer mit einem leiblichen Verwandten aufsteigender Linie den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft; dies gilt auch dann, wenn das Verwandtschaftsverhältnis erloschen ist. Ebenso werden leibliche Geschwister bestraft, die miteinander den Beischlaf vollziehen.

(3) Abkömmlinge und Geschwister werden nicht nach dieser Vorschrift bestraft, wenn sie zur Zeit der Tat noch nicht achtzehn Jahre alt waren.

Daraus folgt für das Inzestverbot:

  1. Inzest liegt nur vor, wenn es sich um Beischlaf handelt, also um vaginalen Geschlechtsverkehr zwischen einem weiblichen und einem männlichen Sexualpartner. Alle anderen sexuellen Handlungen fallen nicht unter § 173 StGB. Ebenso gelten homosexuelle Handlungen zwischen Verwandten nicht als strafbarer Inzest.
  2. Als strafbare Inzesthandlungen gelten nur  der Beischlaf mit einem “leiblichen Abkömmling” – also wenn Eltern/Großeltern mit ihren Kindern/Enkeln vaginalen Geschlechtsverkehr haben – (bis zu 3 Jahre Haft) und der Beischlaf mit “Verwandten in aufsteigender Linie”  – Kinder/Enkelkinder die mit ihren Eltern/Großeltern vaginalen Geschlechtsverkehr haben – sowie der Beischlaf zwischen Geschwistern und Halbgeschwistern (bis zu 2. Jahre Haft). Zusammengefasst: Vater mit Tochter, Mutter mit Sohn, Opa mit Enkelin, Oma mit Enkel, Bruder mit Schwester und Halbbruder mit Halbschwester – das ist strafbarer Inzest, wenn es zum vaginalen Geschlechtsverkehr kommt.
  3. Als Inzest gilt nicht, wenn der Onkel mit seiner Nichte oder die Tante mit ihrem Neffen vaginalen Geschlechtsverkehr hat. Auch Beischlaf zwischen Cousin und Cousine gilt nicht als strafbarer Inzest.
  4. Sexuelle Handlungen zwischen Stiefeltern und Stiefkindern, Stiefgeschwistern usw. gelten auch nicht als Inzest.

Frankreich beschließt endgültig die Homo-Ehe

Das in Frankreich höchst umstrittene Gesetz zur Legalisierung der Homo-Ehe hat endgültig das Parlament passiert. Die von den Sozialisten dominierte Nationalversammlung bewilligte das Projekt von Präsident François Hollande am Dienstag wie erwartet auch in der zweiten Lesung.
— Quelle: rp-online.de

Zitat daraus zum Thema Inzestverbot:

Religiöse Kritiker sehen die Homo-Ehe als Einfallstor zu tiefgreifendem Sittenverfall. “Später werden sie Dreier- oder Viererpaare bilden wollen. Danach wird vielleicht eines Tages das Inzest-Verbot fallen”, warnt der französische Kardinal Philippe Barbarin. Die Muslime-Union UOIF geht noch weiter und fragt: “Wer wird im Namen der sakrosankten Liebe dann noch Geschlechtsverkehr mit Tieren die Legitimität (…) absprechen können?”

kuss

WDR5 – Neugier genügt: Eine besondere Nähe – Liebespaare unter Geschwistern

Radiobeitrag zum Thema Inzestverbot

kuss
(lastnightontelevision | Flickr | CC BY 2.0)

“Auch im realen Leben gibt es Geschwisterpaare, Liebespaare. In Deutschland schätzungsweise einige Hundert, meist Halbgeschwister, (die getrennt aufwachsen und sich erst als Erwachsene kennen lernen). Eine verbotene Liebe, denn Sex zwischen Geschwistern steht in Deutschland unter Strafe. Ein umstrittenes Gesetz, das nun beim Deutschen Ethikrat auf dem Prüfstand steht.Michael Hollenbach hat mit Geschwisterpaaren gesprochen, die ihre Liebe verheimlichen müssen.”

Eine besondere Nähe – Liebespaare unter Geschwistern

Die Gefängniszelle als Schutzraum der Zivilisation

Prison_cell,_Fort_LeavenworthVor etwas mehr als einem Jahr hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Klage von Patrick S. zurück gewiesen, der mehrfach wegen Inzests mit seiner Schwester zu Haftstrafen veurteilt wurde. Patrick S. hatte bis dahin schon mehr als drei Jahre im Gefängnis verbracht. Drei Jahre, in denen er sich sich als “Perverser” in der gnadenlosen Hierarchie des Knastes bewähren musste. Er wurde mehrfach verprügelt, suchte die Isolation und musste sogar wegen akuter Suizidgefahr ins Haftkrankenhaus verlegt werden.

Man kann nur spekulieren, was Deniz Yücel von der linksalternativen taz dazu veranlasst hat, im inszenierten Debattierclub die Rolle des Verbotsbefürworters zu übernehmen. Hat er eine redaktionsinterne Wette verloren? Lockte ihn die Versuchung, möglichst rational und klug klingende Argumente für einen hoffnungsvoll irrationalen Standpunkt zu formulieren? Oder meinte er das wirklich ernst?

“Das Beste an der Debatte ist die Debatte:” beginnt Yücel sein Plädoyer für das Inzestverbot.”Wenn selbst die älteste zivilisatorische Norm vor Gericht verhandelt und öffentlich diskutiert werden kann, zeigt dies einen gesellschaftlichen Fortschritt an”. Das wäre ein schöner Einstieg, wenn er denn ernst gemeint wäre und dahinter ein tatsächliches Bekenntnis zu einer ergebnisoffenen Debattierkultur stünde. Aber man muss Yücel hier wohl wortwörtlich verstehen: Das Beste an der Debatte ist die Debatte, nicht das, was aus ihr folgen könnte. Denn ein aufklärerischer Akt bleibt die Prüfung eines Verbots laut Yücels Worten nur, solange man nicht hinter alt hergebrachte Tabus zurückfällt:

” (..) ein aufklärerischer Akt bleibt dies nur, solange man nicht hinter das zurückfällt, was Moses, Solon und etliche namenlose Priesterinnen und Häuptlinge in allen Kontinenten wussten: Bruder und Schwester sind tabu, ebenso wie Sohn und Tochter, Vater und Mutter.”

Yücel war immerhin so klug als archaischen Gewährsmann Moses und nicht Abraham zu nennen, der ja seine Urvaterschaft der abrahamitischen Religionen der inzestuösen Beziehung zu seiner Halbschwester Sara verdankt.

Der Mittelteil von Yücels Erörterung ist argumentativ nicht weiter relevant. Ein bisschen Freud hier, eine Prise Lévi-Strauss da und der obligatorische Schluck aus der Essigflasche antiker Mythen. Alles garniert mit würzig-modernen Schlagworten wie “erste zivilisatorische Leistung” und “Kommunikation, Mobilität, Fortschritt”. Auch der Verweis auf sexuellen Missbrauch in der Familie darf nicht fehlen – mit der Keule kann man ja immer punkten. Ansonsten bleiben Yücels Ausführungen aber zunächst eher schwammig. Die Erklärung dafür, was z.B. Claude Lévi-Strauss damit gemeint hat, als er das Inzestverbot als “Voraussetzung von Gesellschaftlichkeit” bezeichnet hat, bleibt Deniz Yücel schuldig. Dabei wäre das wirklich ein guter Ansatz für eine aufgeklärte Diskussion über das Thema Inzest – womit die Inzesttheorie von Lévi-Strauss jetzt ganz offiziell auf unserer Agenda steht.

Wirklich zur Sache kommt Yücel erst zum Schluss. Er befürwortet das Inzestverbot, weil es das Gebot zur “Weltoffenheit” beinhaltet; weil es den Menschen dazu verpflichtet, seinem eigenen Saft zu entsteigen, sein eigenes Kaff hinter sich zu lassen. Das ist unbestritten eine zivilisatorische Errungenschaft. Aber begründet man damit ein strafrechtliches Verbot? Ist es gerechtfertigt, dass Patrick S. mehr als drei Jahre seines Lebens im Gefängnis verbringen musste, weil es wünschenswert ist, dass junge Menschen in die Welt hinaus ziehen und ihr Glück jenseits eingefahrener Gleise suchen? Und was ist mit denen, die in die Welt hinaus ziehen und sich in der Fremde in ihre Geschwister oder Halbgeschwister verlieben? Das mag selten vorkommen, aber es kommt vor. Darum ist auch Yücels Fazit für uns Betroffene so schwer zu ertragen: “Es geht um eine zivilisatorische Norm. Weniger prätentiös formuliert: Milliarden Menschen bieten eine wunderbare Auswahl, warum sollte man mit seinen Geschwistern ins Bett?”

Das ist die Frage eines Menschen, der sich offensichtlich nie dafür rechtfertigen musste, wen er liebt und mit wem er ins Bett geht. Milliarden Frauen bieten eine wunderbare Auswahl, warum sollte ein Mann mit einem anderen Mann ins Bett gehen? Patrick S. hat für seine Liebe zu seiner Schwester mehr als drei Jahre im Gefängnis verbracht. Deniz Yücel hält das offensichtlich für eine angemessene Strafe für eine Liebe, die nicht in sein Weltbild passt. “Bruder und Schwester sind tabu” aber drei Jahre Knast für eine Liebe, die Deniz Yücel nicht ins Konzept passt, die sind ok. Aber wir haben ja darüber geredet, damit ist alles geklärt. Das Beste an der Debatte ist ja die Debatte.