Wie viele Geschwisterpaare gibt es in Deutschland?

Inzestverbot;:Die Zahl der Geschwisterpaare in Deutschland ist unbkannt
Auch Graf Zahl hat uns noch nicht gezählt.

Klare Frage, klare Antwort: Wir wissen es nicht. Der Journalist Michael Hollenbach geht von “schätzungsweise einigen Hundert” aus. Auf der Anhörung des Ethikrats zum Thema Inzestverbot wurde von zehn bekannten Fällen gesprochen. Bei diesen 10 Paaren handelt es sich höchstwahrscheinlich um uns. Jedenfalls war das die Zahl, die Mitglieder unserer Gruppe dem Ethikrat mitgeteilt haben. Das war allerdings Stand Mitte/Ende 2012, inzwischen haben sich weitere Paare bei uns gemeldet.

Unserer Schätzung nach liegt die tatsächliche Zahl zwischen 50 und 150 betroffenen Paaren. Es handelt sich also nicht um ein Massenphänomen und auch nicht um eine massive Bürgerbewegung. Wir halten unser Anliegen aber dennoch für gesamtgesellschaftlich relevant, weil es hier nicht nur um Werbung um Toleranz und Verständnis geht, sondern um knallharte strafrechtliche Konsequenzen. Es geht auch um die prinzipielle Frage, ob ein moralisches Tabu noch Platz im modernen Strafrecht hat.

Eine offizielle Statistik über einvernehmliche Inzestpaare gibt es nicht – und die wird es auch nicht geben, solange diese einvernehmlichen Beziehungen durch das Strafrecht bedroht sind. Soweit man die Zusammensetzung unserer Gruppe als repräsentativ betrachtet, zeichnet sich aber ein Trend sehr deutlich ab: Einvernehmliche Inzestbeziehungen sind kein Randgruppenphänomen, das nur in der prekären Unterschicht und in zerrütteten Familien vorkommt. In unserer Gruppe sind von Angestellten über Freiberufler bis hin zu Akademikern Menschen aus allen beruflichen Schichten vertreten. Die familiären Strukturen, aus denen wir stammen, waren auch i.d.R nicht zerrüttet, sondern entsprachen eher dem, was man heute “Patchworkfamilie” nennt. Da Patchworkfamilien heute keine selten Ausnahmen mehr sind, sondern ein weit verbreitetes und allgemein akzeptiertes Familienmodell, ist zu erwarten, dass es in den nächsten Jahren zu mehr Fällen von einvernehmlichen Geschwisterinzest kommen wird. Der Staat sollte darauf eine bessere Antwort finden, als mit dem Strafrecht zu drohen.

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