Kategorie-Archiv: Fundstücke

Weihbischof Losinger für die Beibehaltung von §173 StGB

Zeitungsartikel vom 26.09.14
Zeitungsartikel vom 26.09.14

In der Augsburger Allgemeine erschien am 26.09.14 ein Artikel, mit  einem Zitat vom Weihbischof Anton Losinger, der seit 2008 Mitglied des Deutschen Ethikrates ist.

“Die Empfehlung entspricht dem Rechtbewusstsein der Gesellschaft nicht”

Der Argumentation des Weihbischhofes Losinger stehen zahlreiche Gegenbeispiele der Kirche entgegen. Zum Beispiel das des Limburger Bischofes, der sich eine Residenz im Wert von über 31 Millionen Euro bauen ließ. Entspricht das dem Rechtbewusstsein der Kirche und der Gesellschaft?

Die Schlagzeilen über Missbrauchsfälle sowie heimliche Geliebte und Kinder gehören da ebenfalls dazu, wie der Spiegel berichtet. Die Liebe unter Halbgeschwisten schadet niemanden, was hingegen von den Vergehen der “rechtsbewussten” Kirche nicht behauptet werden kann.

Bundesarchiv, B 145 Bild-F080597-0004 / Reineke, Engelbert / CC-BY-SA

“Ein bemerkenswerter Ausrutscher”

Im aktuellen Spiegel (Der Spiegel. Nummer 32/2014, 4. August 2014, Seite 22) äußert sich der Vorsitzende Richter beim Bundesgerichtshof, Thomas Fischer, am Rande eines Interviews über die Reformpläne des Bundesjustizministers auch zum Thema Inzestverbot. Es handele sich beim Inzest um eine freiwillige, einverständliche sexuelle Betätigung zwischen verständigen Menschen, aus die sich der Staat laut Fischer herauszuhalten habe.

Was zur Legitimation von Strafverfolgung ins Feld geführt wird, hält aus Sicht des Rechtswissenschaftlers und Richters einer rationalen Betrachtung nicht stand. Das Argument, es ginge um den Schutz der Gesundheit potenziell entstehender Kinder, weist Fischer als empörend und mit dem Hinweis auf andere Schwangerschaftsrisiken zurück, die nicht strafrechtlich verfolgt werden. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im Fall Patrick S. (siehe auch Endrik Wilhelm: “Die Kardinalfrage”) bewertet er so…

“Das Urteil zum Inzest ist ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter Ausrutscher unseres Bundesverfassungsgerichts. In der Sache ist der Inzest ein sehr gutes Beispiel dafür, dass ein Straftatbestand, der im Laufe der Zeit durch Veränderung aller gesellschaftlichen Verständnisse sinnlos und daher illegitim geworden ist, nicht länger aufrechterhalten werden sollte.”

Den Link zum vollständigen Interview werden wir nachreichen, sobald der Artikel im Online-Archiv des Spiegels verfügbar ist.