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2. § 173 StGB bestraft eine Tat ohne Opfer

Als opferlose Straftat, auch opferloses Verbrechen, werden mitunter solche Taten bezeichnet, die unter Strafe gestellt sind, obwohl daraus keine Geschädigten (bis vielleicht auf die Akteure selbst) hervorgehen sollen.
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Als opferlose Straftaten werden bzw. wurden bezeichnet:

  • Homosexualität
  • Einvernehmlicher Geschlechtsverkehr zwischen volljährigen biologisch eng Verwandten (Inzest)
  • Sexualpraktiken wie Fellatio und Analverkehr und die Verwendung unterschiedlicher Sexspielzeuge (in einigen Ländern verboten)
  • Aufenthalt in einem anderen Bezirk einer Ausländerbehörde als dem zugewiesenen Bezirk (Residenzpflicht)
  • Herstellung und Besitz von illegalen Drogen für den Eigenbedarf
  • die von außen nicht wahrnehmbare Prostitution im Sperrbezirk
  • Tanzverbot
  • Betrieb von Piratensendern

Opferlose Straftat – Wikipedia, Die freie Enzyklopädie

Die Strafbarkeit der Homosexualität ist inzwischen Geschichte. Inzest ist dagegen noch immer ein negativ besetzter Begriff. Man assoziiert sofort Fälle wie den von Josef Fritzl aus Amstetten, der seine Tochter über Jahre hinweg einsperrte und sexuell missbrauchte. Oder wie den Fall einer Mutter, über den die Bild vor einiger Zeit berichtete. Sie soll ihren 13 jährigen Sohn verführt und den Beischlaf auch noch gefilmt haben. Die Bilder, die der Inzest heraufbeschwört, haben mit einvernehmlicher Liebe unter Erwachsenen, um die es bei der Emanzipation der Homosexuellen ausschließlich ging, nichts zu tun.

Ist der Vergleich der Homosexualität mit Inzest also verfehlt? Nicht unbedingt. Denn mal angenommen, es gäbe sie wirklich, die einvernehmliche sexuelle Liebe unter Blutsverwandten, eine Liebe ohne Missbrauch, ohne sexuelle Gewalt, ohne Machtgefälle. Wäre dann nicht zu hinterfragen, ob eine solche Liebe nicht genauso zu bewerten ist, wie heute die Liebe von gleichgeschlechtlichen Paaren bewertet wird? Auch wenn die Zahl der Fälle verschwindend gering ist. Und auch wenn das zunächst unglaublich klingt, es sind eigentlich nur diese „harmlosen“ Fälle, die vom Inzestverbot in Deutschland betroffen sind.

Nun ist es Sache der Politik, auch das letzte Tabu, das letzte “Verbrechen ohne Opfer” von der Strafbarkeit zu befreien – wie früher die Homosexualität, den Ehebruch, die Kuppelei.
Süddeutsche.de – Warum das Inzestverbot widersinnig ist